Autismus und Depressionen

Achtung: Text enthält eventuelle Trigger!

Es gibt viele verschiedene Ursachen die Depressionen begünstigen oder auslösen können.

Chronische Depressionen entstehen oftmals durch Burnouts, die bei Autisten leider sehr häufig vorkommen.
Durch ständige Reizüberflutung, zu viel Stress und zu wenig Erholungsphasen geraten Autisten sehr schnell in Zustände, die von völliger Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit geprägt sind.

Diese schier aussichtslosen Phasen chronifizieren sich sehr schnell, falls keine Erholung erfolgt oder keine Hilfe in Anspruch genommen wird.

Auch ungewöhnliche Schlaf- oder Essgewohnheiten und -störungen schaden dem natürlichen Gleichgewicht des Körpers und können auf kurz oder lang zu Depressionen führen.

Besonders bekannt ist leider vielen Autisten das Gefühl nicht dazu zu gehören, ausgegrenzt oder gar gemobbt zu werden.
Auch ein Gefühl der Wertlosigkeit, nicht zu genügen oder jemand anders sein zu müssen oder zu wollen und sich selbst dabei verloren zu haben, kann zu einer tiefen Traurigkeit, Verzweiflung und Perspektivlosigkeit führen.

Das erste Mal bekam ich die Diagnose „Depressionen“, als ich in der Jugendpsychiatrie war. Damals war ich 16 und nach einem schweren Trauma eingewiesen worden.

Doch bereits vor meinen Traumata hatte ich mit lang anhaltenden Gefühlen von Sinnlosigkeit und Verzweiflung zu kämpfen.
Ich fühlte mich völlig fremd unter Gleichaltrigen und spätestens mit dem Eintritt der Pubertät, war endgültig klar, dass ich ganz anders war als ‚die anderen‘.

Ich entwickelte mich gänzlich anders als sie und wurde immer mehr ausgegrenzt. Mobbing musste ich nie erleben, aber einsam und unglücklich war ich besonders in der Schule trotzdem.

Mit meinem ‚Anderssein‘ kam ich immer weniger zurecht und nach meinem Klinikaufenthalt war ich zunächst nicht mehr in der Lage nach außen ’normal‘ zu wirken.

Ich brach das Gymnasium ab und machte mein Fachabitur und begann eine Ausbildung. Drei Jahre lang quälte ich mich jeden Tag zur Schule, zu den Praktika, war oft 10 Stunden ohne Pause unterwegs, schlief und aß kaum noch.

Zuhause brach ich regelmäßig alleine in meinem Zimmer zusammen, hatte tägliche Shut- und Meltdowns und verletzte mich ständig selbst, um irgendwie mit der Angst, dem Druck und den Emotionen fertig zu werden.

Doch nach drei Jahren schaffte ich es nicht mehr das Bild aufrecht zu erhalten und alle Bemühungen mich anzupassen endeten mit einem Suizidversuch.

Es machte nichts mehr einen Sinn. Ich war eine leere Hülle, die nur noch funktionierte und trotzdem nicht mehr die Leistungen erbrachte, die erforderlich waren.

Danach folgen zahlreiche Monate in verschiedenen Psychiatrien mit allen erdenklichen Therapien und Medikamenten.

Wenn ich genug Kraft hatte wieder ’normal‘ zu wirken, durfte ich gehen – und war nach wenigen Wochen in der ‚Welt da draußen‘ wieder im nächsten Krankenhaus.

Jedes Mal mit schweren Depressionen und suizidalen Gedanken.

Keine Medikamente oder Therapien halfen wirklich und niemand konnte sich erklären woher die Depressionen rührten.
Ich hatte und habe bis heute kaum die Möglichkeit emotionale Themen zu verbalisieren und oft in solchen Situationen mit selektivem Mutismus zu kämpfen.

Auf den Gedanken ich könne Autistin sein, sollte man erst einige Jahre später durch Zufall kommen.

Auch heute noch leide ich immer wieder unter Depressionen, jedoch in keinster Weise mehr so wie damals.

Mittlerweile spüre ich in eine Depression zu rutschen, wenn ich mir zu viel zumute, zu wenig auf mich achte und es allen recht machen möchte.

Aber ich bin ihnen nicht mehr so hilflos ausgeliefert, da ich oft rechtzeitig gegenwirken kann.
Solange ich ausreichend auf mein Wohl achte, sind Depressionen zumindest aktuell meist keine echte Gefahr mehr für mich.

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