Wie fühlt sich ein Overload an?

Ich möchte versuchen zu beschreiben, wie sich ein Overload („Reizüberladung/-überflutung“) für mich anfühlt. 
Ich schildere hier ausschließlich mein eigenes Empfinden und meine Erfahrungen. Inwieweit dies auf andere Autisten zutrifft kann ich nicht beurteilen!

Besonders häufig kommt es zu einem Overload, wenn ich müde bin oder es mir körperlich nicht gut geht.
Heute habe ich kaum geschlafen und recht quälende Hüftschmerzen.
Mein Stresslevel ist dadurch bereits sehr hoch.

An solchen Tagen ertrage ich keine lauten Geräusche (Pfeifen oder andere hohe Töne sind besonders schlimm), kein helles (Sonnen-)Licht und möchte auch möglichst nicht berührt werden.

Oft merke ich zwar, dass ich überreizt bin, aber der tatsächliche Overload, beziehungsweise das, was ich als solchen bezeichne, tritt meist für mich sehr plötzlich ein. 

Von jetzt auf gleich wird jedes Geräusch, jede Berührung zu viel und ich kann mich nicht mehr konzentrieren oder klar denken. 
Ich bekomme einen „Tunnelblick“, alles links und rechts verschwimmt zu einem dunklen Rauschen. Geräusche dringen auf einmal nur noch gedämpft an mein Ohr. Ich bekomme ein Gefühl von Ohnmacht, merke wie sich in mir ein Druck ausbreitet, als würden meine Organe und Muskeln anschwellen aber gleichzeitig wie Gummiseile erschlaffen. Ich versuche aufzustehen, aber mir ist plötzlich wahnsinnig schwindelig.

Ich will mich abzulenken, aber jeder Versuch nachzudenken oder mich zu bewegen treibt mich weiter in dieses Gefühl der Ohnmacht und Verzweiflung.

Schon fast aggressiv-verzweifelt versuche ich Berührungen und Fragen anderer abzuwehren, kann aber auch nicht mehr klar artikulieren, dass ich Ruhe brauche. Wiederhole nur immer wieder in meiner Verzweiflung „Ich kann nicht mehr.“ 
Es ist unglaublich schwer für mich zu sprechen, wenn ich überreizt oder so enorm gestresst bin. Es fühlt sich an wie ein unsichtbares Band um meinen Kopf, welches verhindert, dass ich den Mund bewege, um Worte zu formen. Ganz abgesehen davon, dass mein Gehirn wohl auch nicht mehr in der Lage wäre einen sinnvollen Satz zu bilden. 

Ich habe es trotzdem geschafft mich zurückziehen.
Selbst der Kontakt zum Sofa auf dem ich sitze ist gerade eigentlich zu viel, das Ticken der Uhr, das mich sonst oft beruhigt, macht mich wahnsinnig.

Doch langsam finde ich jetzt aus meiner Starre heraus, wippe vor und zurück, von links nach rechts, schnalze mit der Zunge oder hüpfe auf Zehenspitzen.
(Ja, so richtig klischeehaft…) 

Erst seitdem ich weiß, dass ich Autistin bin, kann ich es zulassen. Früher habe ich mich vor mir selbst geschämt. Es mir verboten.
Ich hätte mich jetzt vielleicht verletzt oder immer wieder den Kopf gegen die Wand geschlagen, um mich zu stimulieren, zu erden, den Kontakt zu mir nicht zu verlieren. 

So erde ich mich langsam wieder, mein Stresslevel sinkt, ohne dass es erst zum Meltdown oder Shutdown kommen musste.
Jedoch bleibe ich weiterhin sehr angespannt, sodass nicht auszuschließen ist, dass es später erneut zu einem Overload kommt, aus dem ich eventuell nicht wieder so gut hinauskomme.

Sicherlich kennen viele von uns Filmszenen, in denen der Protagonist aufputschende „bewusstseinserweiternde“ Drogen genommen hat. Alles ist dröhnend laut, viel zu grell und hell leuchtend und irgendwie surreal.
Ziemlich genau so fühle ich mich kurz vor dem Einsetzen des immer stärker werdenden Ohnmachtsgefühls.

Und dann gibt es die Szenen, in denen ein Protagonist unfreiwillig Gift, eine Droge oder K.O.-Tropfen eingenommen hat und aus seiner Sicht gezeigt wird, wie alles um ihn herum verschwimmt, in Zeitlupe abläuft oder er verzweifelt versucht sich in Sicherheit zu bringen, bevor er ganz das Bewusstsein verliert. 
Sehr ähnlich fühle ich mich später während eines Overloads, wenn bereits das Gefühl der Hilflosigkeit eingesetzt hat.
Die drohende Bewusstlosigkeit stünde in meinen Fall dann für einen drohenden Shutdown. 

Bildquelle: Künstler unbekannt

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