Soziale Phobie – ein häufiger Begleiter von Autisten

Die soziale Phobie bezeichnet die Angst im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen und sich peinlich zu verhalten oder negativ aufzufallen.
Sie kann zu körperlichen Symptomen wie Zittern, Erröten oder Schwindel führen und hat oft zur Folge, dass soziale Situationen vermieden werden.

Etwa jeder zweite spät diagnostizierte Autist leidet unter Depressionen und/oder Angststörungen. 
Fast jedes dritte autistische Kind leidet laut einer Studie an einer sozialen Phobie.

Vor etwa 7 Jahren bekam ich die Diagnose ’soziale Phobie‘ (F40.1 im ICD-10).
Seit meiner Pubertät habe ich immer das Gefühl gehabt angeschaut zu werden. Wenn jemand lacht oder flüstert, denke ich, ich sei gemeint.

Dass ich anders bin als andere merkte ich früh, ich stolpere über meine eigenen Füße, bin ein Tagträumer, habe seltsame Gewohnheiten, spreche oft zu schnell oder zu laut oder werde panisch, wenn etwas unvorhergesehenes geschieht.

All das gibt mir immer wieder das Gefühl, dass andere über mich sprechen.

Hinzu kommt, dass ich an den Gesichtern anderer Menschen nicht erkennen kann, ob sie mich abschätzig, belustigt, freundlich oder ’neutral‘ ansehen. Das verunsichert mich enorm.

In keinster Weise kann ich abschätzen, ob sie mir gegenüber ehrlich sind, mich manipulieren wollen, sich über mich lustig machen oder hinter meinem Rücken tuscheln. 
In sozialen Situationen versagen meine analytischen, rationalen Fähigkeiten. Ich nehme fremde Menschen beim Wort. Obwohl ich es eigentlich besser weiß. 
Lächeln sie, heißt das für mich, sie sind mir wohlgesinnt, auch wenn sie mich in Wahrheit belächeln.
Gucken sie unfreundlich, heißt das für mich, sie mögen mich nicht oder ich mache etwas falsch.
Selbstverständlich weiß ich, dass es gar nichts mit mir zu tun haben muss, aber emotional gibt es bei mir nur schwarz und weiß.

All das sind Probleme, die der Autismus mit sich bringt und mir die Kommunikation mit anderen Menschen, besonders mit fremden, unglaublich erschwert.

Wie unbeholfen ich im direkten Kontakt, besonders wenn ich gestresst bin, wirke, ist mir sehr bewusst.
Dass ich mich oft seltsam benehme, weil ich mich angestrengt bemühe nicht aufzufallen, weiß ich auch.
Ob ich deshalb aber tatsächlich angestarrt werde oder peinlich auffalle, weiß ich nicht, aber es fühlt sich so an.
Und das macht mir Angst, große Angst.

Es ist nicht logisch, aber es belastet mich sehr.
Und es hindert mich oft daran das Haus zu verlassen.

Es ist ein Teufelskreis. Durch die Angst gerate ich in Stress. 
Durch Stress werde ich ‚autistischer‘. 
In meinen Fall heißt das tollpatschiger, lauter, empfänglicher für äußere Reize, leichter reizbar, meine Körperhaltung wird steifer, mein Blick starrer und ich kaum ansprechbar, weil ich entweder hyperfokussiere oder sich in meinem Kopf die Gedanken überschlagen. 
Dadurch fühle ich mich noch unwohler, habe noch mehr Angst aufzufallen und ein Overload ist fast vorprogrammiert.

Soziale Phobien sind leider häufige Begleiter von Autismus. In meinen Augen absolut logisch…

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