Kommunikation

Unter Kommunikation verstehen wir den Austausch von Informationen. Dieser erfolgt verbal (also mündlich, schriftlich oder über die Gebärdensprache), nonverbal (Mimik, Gestik, Körperhaltung, Blickkontakt etc.) und paraverbal (Sprachmelodie, Tonfall, Sprechtempo, Lautstärke, Sprechpausen, Lachen und Seufzen während des Redens etc.).

Die meisten Autisten haben mit allen drei Anteilen der Kommunikation Schwierigkeiten.
Sowohl damit nicht-autistische Menschen zu verstehen, als auch sich diesen verständlich zu machen.

Doch ist unsere Kommunikation deshalb falsch, gestört oder ein Problem?

Es gibt nonverbale Autisten (meist frühkindliche), sprachlich sehr gewandte (meist Asperger) und auch solche, die ihre Kommunikation so sehr an die Außenwelt angepasst haben, dass sie gar nicht mehr als anders wahrgenommen wird.

Doch sie haben alle etwas gemein: sie können kommunizieren und tun es auch.

Autisten möchten genau so kommunizieren, wie alle anderen Menschen auch. Wir sind nicht isoliert von unserer Außenwelt oder so selbstbezogen, dass uns alles und jeder um uns herum gelichgültig ist.

Im Gegenteil: viele Autisten leiden sehr darunter nicht verstanden zu werden und ihre Mitmenschen nicht richtig zu verstehen.

Autisten kommunizieren anders, nicht schlechter!

Nun möchte ich dies an meinem Beispiel versuchen etwas greifbarer zu machen.

Ich behaupte von mir, dass meine verbale Kommunikation sehr gut ist:
Ich kann mich schriftlich gut mitteilen und verstehe auch Geschriebenes von anderen Menschen – egal ob neurotypisch oder nicht – ohne Schwierigkeiten.

Trotzdem habe ich enorme Probleme mich mündlich mitzuteilen.
Es fällt mir schwer alles zu verarbeiten und zu verstehen was andere mir sagen und selbst bin ich auch oft nicht in der Lage meine Gedanken oder gar Emotionen mitzuteilen oder die der anderen aus dem Gesagten zu erkennen.

Doch dies liegt nicht an mangelndem Kommunikationspotenzial, sondern an diversen anderen Schwierigkeiten, die der Autismus mit sich bringt.

Beispielsweise an einem mangelnden Reizfilter, an Schwierigkeiten mit den exekutiven Funktionen oder auch an Begleiterscheinungen wie Traumata, Angststörungen oder Depressionen.

Oftmals ist die Fähigkeit ein Gespräch zu führen stark abhängig von der allgemeinen psychischen und körperlichen Verfassung und nicht zuletzt auch von der Bereitwilligkeit trotz dieser Schwierigkeiten mit einem Menschen zu kommunizieren (bei mir ist dies stark abhängig davon, wie wichtig mir ein Mensch oder ein Gespräch ist – so gebe ich mir zum Beispiel bei dem unsympathischen Nachbarn deutlich weniger Mühe ihn zu verstehen oder mich verständlich zu machen, als beispielsweise bei einer guten Bekannten).

Dank der Technik und unserer vernetzten Welt ist dieses Problem für viele Autisten recht gut zu umgehen.
Leider im Alltag jedoch oft nicht so einfach umzusetzen.
Hier sind wir auf das Verständnis und die Bereitschaften unserer Mitmenschen angewiesen, entweder auf schriftliche Kommunikationsformen umzuschwenken oder zumindest diese ergänzend zu verwenden.

Mit meiner Therapeutin habe ich beispielsweise die Absprache, dass ich mich nach einem Gespräch noch einmal per Mail melden kann oder sie auch zwischendurch schriftlich kontaktiere, wenn ich Hilfe brauche oder einfach das Gefühl habe etwas „loswerden“ zu wollen. Das nimmt den Druck von mir, alles mündlich ausdrücken oder gar das Telefon benutzen zu müssen.

Auch mit meiner Familie oder Freunden kommuniziere ich hauptsächlich schriftlich – sie wissen warum und akzeptieren es.

Das Ausdrücken von Bedürfnissen, Gefühlen oder das Mitteilen von Gedanken fällt mir dabei deutlich leichter.

Was scheinbar oft auch nicht klar ist: nur weil ich nicht alles sofort verstehe oder auf etwas nicht reagiere, bedeutet das nicht, dass ich es nicht mitbekommen habe oder es mich nicht interessiert.
Oft bin ich nur einfach völlig überfordert von Informationen oder Emotionen meines Gesprächspartners oder mein Gehirn ist damit beschäftigt allen Input irgendwie zu ordnen.

Ich arbeite Unterhaltungen im Nachhinein, wenn ich alleine bin und Ruhe habe, komplett und Schritt für Schritt auf. Dann analysiere ich und kann verstehen.

Doch dann kommen auch die Selbstzweifel und das Versagensgefühl, weil ich dann reflektiere, was ich alles nicht gesagt habe, auf was ich falsch reagiert habe und ich ärgere mich, dass es zu so vielen Missverständnissen kam.

Ich leide sehr darunter im Gespräch nicht erwartungsgemäß kommunizieren zu können und deshalb oft als desinteressiert, kühl, arrogant oder dumm wahrgenommen zu werden. Denn nichts davon trifft auch nur ansatzweise zu.

Nonverbale Kommunikation existiert für mich kaum.
Ich habe bereits im Grundschulalter begonnen Ratgeber über Mimik, Gestik, Körpersprache und -haltung zu lesen, weil ich verstehen wollte was sie bedeutet und wie ich sie einsetzen kann.

Bis heute leider mit mäßigem Erfolg: ich selbst wirke in Gesprächen oft starr, da ich Mimik und Gestik unbewusst kaum verwende.
Ebenso habe ich über die Jahre meine Körperhaltung immer weiter versucht zu verbessern, um selbstbewusster und sicherer zu wirken, geübt meinen Kopf und Blick nicht zu senken wenn jemand auf mich zukommt oder ich mich unterhalte und eine offene und einladende Körpersprache trainiert.

Doch all das ist nicht echt und ich glaube, das merken die meisten mir an – zumindest unterbewusst.

Bei meinem Gegenüber bemerke ich Mimik und Gestik so gut wie gar nicht und selbst wenn, dann kann ich sie nicht deuten. Auch hierbei präge ich mir Dinge ein, die ich wahrgenommen habe, wie Beispielsweise die Körperhaltung, und versuche sie dann im Nachhinein zu analysieren.

Was sie bedeutet habe ich gelernt, aber während eines Gesprächs kann ich dieses Wissen nicht abrufen und nicht in Kontext mit all den anderen Signalen und Reizen bringen.

Auch paraverbale Kommunikation nehme ich fast gar nicht wahr, da ich vielmehr auf das gesprochene Wort höre, als darauf WIE etwas gesagt wird.

Ob jemand laut oder leise, schnell, melodisch oder mit langen Pausen gesprochen hat, bemerke ich weder während eines Gesprächs, noch kann ich dies im Nachhinein sagen.

Darum fällt es mir sehr schwer Witze oder Sarkasmus zu verstehen, manchmal merke ich nicht einmal, dass jemand mir eine Frage gestellt hat – die Betonung von Wörtern oder Sätzen geht in meinem Kopf völlig unter.

Ich selbst habe lange geübt nicht zu leise und zu schnell zu sprechen. Auch mein Tonfall, zum Beispiel wenn ich streng mit meinen Kindern sprechen oder mit ihnen schimpfen muss, ist bis heute häufig nicht passend.
Oft merke ich, dass ich meist viel zu ruhig und monoton spreche und auch eine angemessene Lautstärke zu treffen bereitet mir Schwierigkeiten.

Gefühle, insbesondere Sympathie und Antipathie kann ich bei anderen im Gespräch kaum bewusst wahrnehmen und noch schlimmer: selbst kaum vermitteln.

So habe ich oft erlebt, dass sich Menschen von mir abwendeten oder auf Abstand blieben, weil ich scheinbar nicht kommunizieren konnte, dass ich sie mag.
Das tut jedes Mal weh, denn ich bin ein sehr emotionaler und sozialer Mensch – ich kann es bloß schwer kommunizieren.

Ich brauche lange, um mich auf einen anderen Menschen einzustellen, ihn zu analysieren und zu verstehen, aber ich gebe mir Mühe und bin sehr verletzt wenn ich scheiter oder merke, dass mein Gegenüber dies nicht wahrnimmt.
Oft ziehe ich mich dann lange völlig aus allen sozialen Kontakten zurück und brauche Zeit, um mit meiner Enttäuschung und den Selbstzweifeln umzugehen.
Bei jedem Menschen, den ich so „verliere“, ein bisschen länger.


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