Köperwahrnehmung

Köperwahrnehmung – Viele Autisten nehmen nicht nur äußere Reize, sondern auch ihren Körper anders wahr

In einem älteren Beitrag berichtete ich bereits von meiner Sinneswahrnehmung.

(hier noch einmal nachzulesen: Die 5 Sinne)

In der modernen Physiologie ist neben dem Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und dem Tastsinn auch noch von vier weiteren Sinnen die Rede: dem Temperatursinn, der Schmerzempfindung, dem Gleichgewichtssinn und der Körperempfindung, welche wiederum unterteilt ist in Lage-, Bewegungs- und Kraftsinn.

In diesem Beitrag möchte ich auch auf diese vier bzw. sechs Sinne eingehen.

Durch den Temperatursinn nehmen wir wahr, ob zum Beispiel ein Objekt, die Luft um uns herum oder das Badewasser kalt, warm oder heiß ist.

Ich gehöre zu den Menschen, denen es grundsätzlich zu warm oder zu kalt ist.
Im Winter zittere ich fast durchgängig, trage möglichst viele Kleidungsstücke übereinander, nachts brauche ich mindestens zwei Decken.

Was ich jedoch gar nicht ertrage ist Hitze. Heiße Luft macht mir unglaublich zu schaffen. Ich schwitze sehr schnell und fühle mich bereits ab 26 Grad Außentemperatur so unwohl, dass mich diese Temperaturen unglaublich viel Kraft kosten.

Duschen oder Baden muss ich jedoch sehr heiß. Auch wenn ich Kaffeetassen anfasse oder Brötchen aus dem Backofen nehme, verbrenne ich mich nicht schnell. Im Gegenteil, da bin ich bin sogar recht unempfindlich.

Mein Schmerzempfinden ist recht schwer zu beschreiben. Manchmal habe ich den Eindruck ich wäre extrem überempfindlich, manchmal glaube ich das Gegenteil sei der Fall. Wahrscheinlich kommt es jedoch auf die Art und die Ursache des Schmerzes an.
Schmerzen rauben mir jedoch immer unglaublich viel Energie.

Ich leide seit meiner Kindheit immer wieder an teilweise starken (ungeklärten) Gelenkschmerzen und Verschleiß selbiger.
Selbst wenn es mal ’nur‘ das Hand- oder ein Fingergelenk betrifft, kostet mich das soviel Kraft, dass ich am liebsten den ganzen Tag im Bett liegen bliebe.

Zudem bereiten mir auch manch andere Sinnesreize Schmerzen, wie beispielsweise grelles Licht oder bestimmte Töne.

Mein Gleichgewichtssinn ist sehr abhängig von meiner allgemeinen Verfassung, meinem Stresslevel.

Letztens schaute mein Mann mir beim Fitnesstraining zu und fragte mich, warum ich so wanken würde. Da wurde mir bewusst, dass ich ständig meine Haltung korrigieren musste, weil ich es nicht schaffte bei einem Ausfallschritt gerade stehen zu bleiben.

Oft komme ich auch beim Laufen stark ins Schwanken und leide an Schwindelgefühlen, ohne dass ich Kreislaufprobleme habe.
Wenn es mir jedoch gut geht, bemerke ich diese Probleme kaum.

Was mir immer enorme Schwierigkeiten bereitet ist der mit dem Gleichgewichtssinn zusammenhängende Lage- oder Positionssinn.
Er liefert uns Informationen über die Lage oder Position unseres Körpers im Raum.

Bemerkbar machen sich diese Schwierigkeiten bei allem was mit Orientierung und der Wahrnehmung des eigenen Körpers, dem Körperschema (den Abmessungen und Begrenzungen des eigenen Körpers) zu tun hat.

Manchmal weiß ich nicht wo mein Körper anfängt oder aufhört, also ich kenne die Abmessungen meines Körpers nicht.

Ein Problem, das auch bei Menschen mit Essstörungen oft vorkommt mit denen ich auch lange zu kämpfen hatte.

Ich stehe oft lange vor dem Spiegel, weil ich versuche meinen Körper einzuschätzen, drehe mich immer wieder hin und her, aber ich bekomme keine Vorstellung davon, wie dick oder dünn ich bin bzw. von der Form meines Körpers.

Eng verknüpft mit dem Lagesinn ist auch der Bewegungssinn, der das Erkennen der Bewegungsrichtung unserer Gliedmaßen oder des Körpers ermöglicht.

Dieser macht sich bemerkbar, wenn ich gegen Gegenstände laufe oder mal wieder beim Haarenbürsten mit meiner Hand gegen das Waschbecken schlage.

Mir fehlt das Gefühl wie viel Abstand ich zu Gegenständen habe und oft sind meine Bewegungen so unkoordiniert, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass meine Finger und Zehen doch jedes Mal so gerade wieder zusammen wachsen.

Ich habe immer sehr gerne Sport getrieben und war immer überraschend schnell sehr gut in dem was ich begann, jedoch war ich auch immer diejenige, die den Ball auf die Nase bekam, sich beim Bälle-Fangen die Finger brach, rückwärts auf den Kopf fiel oder beim Laufen mit anderen zusammenstieß.

Wenn ich mich auf eine Schaukel setze wird mir innerhalb von Sekunden schwindelig und übel, ebenso bei der ersten Umdrehung eines Kinderkarussels.
Paradoxerweise und trotz meiner enormen Höhenangst kenne ich kein größeres Vergnügen als Achterbahnfahrten, Freefalltower und Schiffsschaukeln. Um so höher, schneller und wilder um so besser.

Aber auf dem Kinderspielplatz wird mir schlecht…

Der Kraftsinn liefert Informationen über den Spannungszustand von Muskeln und Sehnen und ermöglicht dadurch das Abschätzen des eigenen Kraftaufwands und Koordinieren von Druck und Zug.

Einige Autisten berichten davon, dass sie Schwierigkeiten haben ihre eigene Kraft einzuschätzen. Ich kann von mir persönlich jedoch nichts dazu sagen.

Mir fällt es sehr schwer mich auf meinen Körper zu konzentrieren. Übungen die dies fördern sollen, wie Entspannungsübungen oder PMR (progressive Muskelrelaxation) führen bei mir eher zum Gegenteil.
Oft gipfeln solche Versuche mich intensiv wahrzunehmen in einem Overload.

Meinen Weg mich und meinen Körper zu spüren habe ich im Sport gefunden.

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