Autismus und Stress

Autisten leiden oft enorm unter Stress und dessen Auswirkungen

Stress ist die Reaktion unseres Körpers und unserer Psyche auf äußere Reize.

Stress kann durch Sinnesreize ausgelöst werden, aber auch durch Druck entstehen (Termine, Arbeit, Leistungsdruck etc), durch Streitigkeiten oder durch Ängste und einiges mehr.

Grundsätzlich ist Stress nichts schlimmes – im Gegenteil: Stress ist ein Alarmsignal und löst zum Beispiel Instinkte oder andere Abwehrmechanismen aus.

Wohlbekannt ist jedoch, dass zu viel und kontinuierlicher Stress dem Körper und der Psyche schadet.

Ich las vor einiger Zeit von einer (nicht repräsentativen) Umfrage unter Autisten. Fast alle Befragten gaben an, dass Stress für sie ein großes Problem darstellt und ein Großteil von ihnen stellte erhebliche Auswirkungen auf ihre psychische Verfassung durch Stress fest.

Auch für mich ist Stress ein großes Thema, das mich seit Kindheitstagen begleitet.

Bereits im Kindergartenalter litt ich regelmäßig unter psychosomatischen Schmerzen, also körperlichen Beschwerden, die psychische Ursachen (meist Stress) haben.

Meist waren es Kopf- und Bauchschmerzen für die es keine organische Ursachen gab.
Zunächst wurde vermutet ich würde mir etwas ausdenken, um mehr Aufmerksamkeit von meinen Eltern zu erhalten .

Doch auch in der Schulzeit und ganz besonders mit und nach dem Schulwechsel wurden die Schmerzen häufiger und stärker. Zudem bekam ich immer häufiger Kreislaufprobleme wie Schwindel und Schweißausbrüche sowie vorübergehende Herzrhythmusstörungen und ein Reizdarmsyndrom, unter dem ich bis heute leide.

Damals konnte sich niemand erklären, woher diese Symptome kamen. Organische Ursachen wurden ausgeschlossen, also musste es stressbedingt sein.

Doch welchem Stress war ich ausgesetzt? Schulisch hatte ich keine großen Probleme.
Mit Mitschülern augenscheinlich ebensowenig.
Woher sollte also dieser Stress kommen?
Ich tat doch nichts anderes als alle anderen auch.
So schien es.

Ich selber spürte, dass ich stets unter Anspannung stand.

Ich habe es selber stets so erklärt, dass meine Stresstoleranz extrem niedrig sein müsse.
Heute weiß ich, dass nicht die Stresstoleranz das Problem ist, sondern, dass mir ganz andere und vor allem viel mehr Dinge Stress bereiten als den meisten anderen Menschen.

Ein erheblicher Stressor ist das Kompensieren autistischer Merkmale. In meiner Schulzeit fiel ich zwar durch mein zurückgezogenes und stilles Wesen auf, aber versuchte stets mich anzupassen und in die Klassengemeinschaft einzufügen. Das kostete, ohne das ich es bewusst wahrnahm sehr viel Kraft.

Zudem sind meine Sinne enorm empfindlich und manchmal reicht schon ein Blick aus dem Fenster und ich habe den ganzen Tag Kopfschmerzen.
Oder morgens läuft Musik. Dann bekomme ich bereits kurz nach dem Aufstehen Herzrasen.

Mich morgens früh zu Duschen, zu föhnen und zu schminken, um danach 90 Minuten mit meinem Sohn zur Spielgruppe mit 8 kleinen Kindern inklusive deren Mütter zu gehen, kostet mich so enorm viel Energie, dass der Tag danach für mich ‚gelaufen‘ ist.

Erst der sensorische Stress unter der Dusche, das Haareföhnen der Zeitdruck rechtzeitig fertig zu sein, die Wahl der Kleidung und dann die Lautstärke und vor allem die sozialen Kontakte in der Gruppe und im Nachhinein die beinahe zwanghaften Analysen derer – für mich stundenlang Stress pur.

Um so gestresster ein Autist ist, um so ‚autistischer‘ wirkt er – und um so anfälliger werde ich für äußere Reize und um so eher kommt es zu einem Overload und damit eventuell zu Shut- oder Meltdowns.

Auch meine Ängste werden stärker und ich neige dazu alle Situationen zu meiden, die mit sozialer Interaktion oder zu vielen Reizen verbunden sein können. Ich ziehe mich zurück, verlasse möglichst nicht mehr das Haus und vernachlässige soziale Kontakte, auch zu Freunden und Familie.
Denn auch das kostet Kraft.

Doch all das führt unweigerlich zu noch mehr Stress. Ich mache mir Gedanken, dass ich schon wieder nicht ‚funktioniere‘, wie andere wohl darauf reagieren etc.

Auch Termine müssen eingehalten werden, aber auch diese sind erneut mit Stress verbunden, besonders wenn ich sowieso angespannt bin und es mir schwer fällt zu kompensieren.

Doch um mich von Stress zu erholen brauche ich viel Zeit und Ruhe. Doch die fehlt leider viel zu oft.

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Autisten sind durch ihre Sensibilität für äußere Reize sehr viel anfälliger für ein Burnout (-Syndrom)

0 thoughts on “Autismus und Stress”

  1. Gut beschrieben. Machen gerade so ein Burnout mit Sohnemann durch , dabei ist das letzte noch nicht ganz zu Ende vom anderen Sohn
    Mal sehen wie es weiter geht. Drückt die Daumen.

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