Ich überanalysiere alles

Eigentlich heißt es ja, Autisten nähmen alles wörtlich.
Bei mir ist das genaue Gegenteil der Fall – ich kann nichts wörtlich nehmen, muss alles bis ins kleinste Detail analysieren.
Ich erkenne nicht instinktiv, was mein Gegenüber gerade meint:
Ist es so gemeint wie er es sagt oder sarkastisch? Ist es ein Vorwurf oder eine Aufforderung? Ein Kompliment oder eine nüchterne Feststellung? ….

Man kann es sich bildlich so vorstellen:

Mein Gesprächspartner wirft mir einen Ball zu – die Aussage, die er gerade getätigt hat.
Sobald mich der Ball aber erreicht und ich ihn fangen, also das Gesagte verarbeiten möchte, zerspringt dieser Ball in tausende kleine Gummibälle, die wie verrückt in meinem Kopf hin und her springen.
Jeder dieser Bälle entspricht einer anderen Interpretationsmöglichkeit.
Nun beginnt das Einfangen und Sortieren dieser vielen bunten Bälle. Und irgendwie entscheide ich meistens für den falschen.

Tonfall und Mimik nehme ich entweder nicht wahr, oder es erschließt sich mir kaum, welche Informationen diese vermitteln sollen.
Darum bleibt mir nichts anderes übrig, als möglichst viele Interpretationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen.
Mein einziges Hilfsmittel hierbei sind die Informationen, die ich über meinen Gesprächspartner habe (zum Beispiel über seine Vergangenheit, seine Einstellung zu bestimmen Themen, seine Art von Humor etc.).
Deshalb fällt mir das Gespräch mit Fremden unglaublich schwer. Von ihnen konnte ich mir noch kein „Profil“ anlegen.

Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass kaum jemand wirklich sagt, was er meint.

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