„Sind wir nicht alle ein bisschen autistisch?“

Das gehört zu den dümmsten Sprüchen, die ich jemals gehört habe.

Ohne jeden Zweifel gibt es bei einigen Nicht-Autisten ‚autistische Züge‘, also Eigenschaften, die für Autismus diagnoserelevant sind.

Aber sie sind dadurch nicht ‚ein bisschen autistisch‘.

Oder sind Frauen, wenn der Bauch noch klein und flach ist, nur ein bisschen schwanger?

Würdet ihr zu einem krebskranken Menschen gehen und sagen, „haben wir nicht alle ein bisschen Krebs?“ (entschuldigt bitte dieses etwas pietätlose Beispiel).

Leider kommen solche Sprüche meist von Menschen, die keine oder kaum Ahnung von Autismus haben.

Ja, Autismus ist ein Spektrum – das heißt jeder Autist ist anders, hat andere Fähigkeiten und Schwierigkeiten. Der eine ist mehr und der andere weniger im Alltag eingeschränkt.
Deshalb ist aber nicht der Autismus ’stärker‘ oder ’schwächer‘.

Ein Autist ist ein Autist.
Ein Nicht-Autist ist kein Autist.

Genau wie ein Mensch Krebs hat oder nicht, oder eine Frau schwanger ist oder nicht.

‚Autismus‘ bzw. ‚Autismus-Spektrum-Störung‘ ist eine Diagnose, die man erhält, wenn man (schlicht gesagt) eine bestimmte Anzahl an streng definierten ‚Abweichungen‘ von der ‚Norm‘ aufweist.

Autismus ist keine Charaktereigenschaft, Wesensart oder gar ‚Lifestyle‘, sondern eine ‚Entwicklungsstörung‘, also tatsächlich eine reale, faktische ‚Andersartigkeit‘ – eine ‚Neurodiversität‘.

Autisten haben mit so vielen Hürden zu kämpfen, solche Sprüche machen den Kampf um Akzeptanz und Verständnis nur noch schwieriger.

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