Meine Wahrnehmung

Mir fehlt das Gefühl dafür, wie ich auf andere Menschen wirke. Ich kann es an den Reaktionen anderer nicht erkennen. Rede ich zu viel? Bin ich zu laut? Nerve ich? Wirke ich merkwürdig?

Ich habe kein Gefühl für meine Außenwirkung. Ich bin absolut darauf angewiesen, dass ich regelmäßig Feedback bekomme, denn nur weil ich gestern noch als sympathisch empfunden wurde, bedeutet nicht, dass es heute auch noch so ist. Verhalte ich mich denn heute genau so wie gestern?

Ich hab kaum Gefühl dafür wie ich mich gebe oder bewege.
An manchen Tagen habe ich das Gefühl selbstbewusst zu wirken und am nächsten Tag unsicher und schüchtern.

Spiegel finde ich schrecklich, ich sehe mich zwar selbst, aber ich nehme mich immer anders wahr. Manchmal habe ich das Gefühl bei jedem Blick in den Spiegel anders auszusehen. Mein Körper, mein Gesicht, nichts wirkt konstant. Heute kann ich mich pummelig und ganz hübsch finden, morgen bin ich mir selbst zu dünn und mein Gesicht sieht furchtbar hässlich aus.

Ich bin nicht gerne mit Bildern von mir konfrontiert, es wirft mein inneres Bild von mir völlig durcheinander.
Fotos kann ich nach einiger Zeit anschauen – wenn ich sie bereits mehrfach gesehen habe, kann ich sie ‚akzeptieren‘. Mein Spiegelbild ist jedoch immer in Bewegung.
Es konfrontiert mich ständig mit mir selbst. Und mein inneres Bild und das im Spiegel stimmen fast nie überein.

Auch das macht es mir unmöglich abzuschätzen wie andere mich wahrnehmen.

Es kam oft vor, dass ich dachte jemand mag mich nicht und dann erfuhr, dass das Gegenteil der Fall ist, aber leider auch genau andersherum.

Oft habe ich von mich über das ‚merkwürdige Verhalten‘ anderer Menschen gewundert, bis mich andere aufklärten, dass dies wohl ‚Annäherungsversuche‘ waren.

Ich mache gerne den Witz, dass man sich nackt mit einem blinkenden Schild in der Hand vor mich stellen könnte und ich würde mir wahrscheinlich nur Gedanken machen, ob das nicht zu kalt sei.

Ich nehme natürlich wahr, wenn jemand nett zu mir ist oder mich anlächelt, aber dafür kann es viele Gründe geben.

Andersherum kam es jedoch oft vor, dass man mir sagte, ich würde falsche Signale senden. Meine Außenwirkung stimmt nicht immer mit dem überein was ich tatsächlich kommunizieren möchte oder empfinde.

Mir fehlt insgesamt oft das Gefühl für mich und mein Befinden. Wie geht es mir gerade? Was brauche ich jetzt? Was möchte ich? All das sind Fragen, die mir sehr schwer fallen zu beantworten. Auch hier ist es wieder stressabhängig. Wenn es mir sehr schlecht geht, empfinde ich meist nicht einmal Hunger und Durst und nehme erst etwas zu mir, wenn mir schlecht oder schwindelig wird.
An sehr schlechten Tagen erkenne ich mich nicht einmal mehr selbst im Spiegel.

Filme oder Tonaufnahmen von mir selber kann ich kaum ertragen, denn das bin ich und eben doch nicht ich. Es stimmt in meinem Kopf nicht überein.

Oft habe ich sogar das Gefühl eigentlich gar nicht zu existieren. Es wirkt so surreal – mein Körper nur wie ein Gefängnis meines Geistes.

Und manchmal fühle ich zu sehr in mich hinein, dann bin ich in meiner eigenen Welt und völlig abwesend.

Meine Antennen sind entweder nach innen oder außen gerichtet – beides gleichzeitig geht nicht. Deshalb kann ich wohl auch nicht über meine Emotionen sprechen, denn im Gespräch kann ich nicht ‚in meine innere Welt abtauchen‘.

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